Das war die Bildungskonferenz 2020

Zwei Tage ganz im Zeichen der digitalen Bildung: Auf der Bitkom Bildungskonferenz kamen am 14. und 15. September knapp 1.000 Teilnehmende und über 60 Sprecherinnen und Sprecher virtuell zusammen und diskutierten über die Zukunft der Bildung. 

 

Im Mittelpunkt des ersten Tages stand die digitale Transformation des Schulwesens in Deutschland. Die Corona-Pandemie hat das Schulsystem mit 10,9 Millionen Schülerinnen und Schülern vor große Herausforderungen gestellt. Die Schließung der Schulen führte vielerorts zu einem Crashkurs in Sachen digitaler Bildung für Lehrerinnen und Lehrer, um die Kommunikation zu Schülerinnen und den Unterricht ins Digitale verlegen zu können. An vielen Schulen legte Corona aber auch offen, wie weit der Weg hin zum digitalen Unterricht ist und wie schwer die digitalen Defizite wiegen. Die zusätzlichen Mittel für den Digitalpakt Schule in Höhe von 500 Millionen Euro für die Ausstattung der Schulen mit digitalen Endgeräten und Bildungsinhalten waren eine erste Reaktion auf die Krise – langfristig muss aber alles daran gesetzt werden, das Bildungswesen wirklich zu transformieren und Kollaborationen zwischen verschiedenen Bildungsakteuren zu fördern.   

 

Eröffnet wurde die Bildungskonferenz von Catharina van Delden, Geschäftsführerin von innosabi und Bitkom-Präsidiumsmitglied, und Dr. Stefanie Hubig, Präsidentin der Kultusministerkonferenz 2020 und Ministerin für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz. „Digitale Bildung ist nicht nur ein wünschenswertes Add-on“, sagte Catherina van Delden. „Sie ist die Grundlage für jeden Menschen, um in einer digitalen Welt mündig zu agieren und sie mitzugestalten.“ In ihrer Keynote betonte Dr. Stefanie Hubig: „Das Recht auf Bildung muss höchste Priorität haben.“ Und sprach sich dafür aus, den Schwung und Mut der letzten Monate auszunutzen und das Bildungswesen weiter zu digitalisieren.  In der anschließenden Webdiskussion sprachen Prof. Dr. Uta Hauck-Thum von der LMU München, Thomas Heilmann als Mitglied des Deutschen Bundestags CDU/CSU und Jan Zinal als Fachkoordinator der Bundesschülerkonferenz über die Corona-Folgen für das Bildungssystem und wie wir gemeinsam die Schule der Zukunft gestalten können. Prof. Uta Hauck-Thum plädierte dafür, Lehr- und Lernformen in der Schule zu verändern und mehr gemeinsame Bildungserfahrungen zu schaffen, wozu auch die Auflösung strikter Fächergrenzen, Kooperationen zwischen Lehrkräften, die Förderung eigener Projekte und die Nutzung von mobilen Endgeräten zum kooperativen und kreativen Arbeiten gehöre. „Die Schulen im 21. Jahrhundert brauchen moderne pädagogische Architekturen und eine Kultur der Digitalität“, so Hauck-Thum. 

 

In einem Impulsvortrag äußerten sich auch Felicitas Birkner und Sven Hoffmann von Fujitsu zum digitalen Wandel in der Schule und in einer Webdiskussion zum Thema Diversität und Inklusion sprachen Felicitas Birkner, Dr. Julia Freudenberg von der Hacker School und Margit Stumpp, Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis 90/Die Grünen darüber, wie alle bei der digitalen Transformation im Bildungswesen mitgenommen werden können. Wie man Innovationsprozesse in der Schule etablieren kann und Schulentwicklung gelingen kann, erörterten Schulleiter Micha Pallesche, Dr. Susanne Rupp vom Cornelsen Verlag und Lena Spaß von Scobees in Kurzimpulsen und einer anschließenden Diskussion auf der virtuellen Nebenbühne. Einigkeit herrschte darüber, dass die Schulentwicklung Zeit und engagierte Lehrerinnen und Lehrer brauche. In einem Impulsvortrag stellte Michael Tschakert von Samsung ein technisches Setup für hybride Unterrichtsformate vor. Die Abschlusskeynote hielt am ersten Veranstaltungstag Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung und Bildung. Gerahmt wurde das Programm auf den Bühnen von elf interaktiven Roundtables, in denen man sich in kleinen Gruppen über die Herausforderungen im Bildungswesen austauschen konnte und die restlos ausgebucht waren. 

 

Am zweiten Tag der Bildungskonferenz drehte sich einen Nachmittag lang alles um die Themen Berufliche Bildung, Hochschulbildung und Lebenslanges Lernen. Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom, sagte bei seiner Eröffnung, dass besonders die IT-Branche ein Fachkräftemangel begleite, der sich immer weiter zuspitze. Aber Digital Skills seien für alle Berufe unabdingbar und regelmäßige Weiterbildungen und Lebenslanges Lernen ein Thema, das noch viel selbstverständlicher angenommen werden müsse. „Es geht um die Frage, wie wir uns zunehmend souverän in einer digitalisierten Welt bewegen“, so Rohleder. In der anschließenden Webdiskussion mit Dr. Jens Brandenburg als Sprecher für Studium, Berufliche Bildung und Lebenslanges Lernen der FDP, Dr. Sirkka Freigang von Bosch.IO und Joachim Maiß als Vorsitzender des Bundesverbands der Lehrkräfte für Berufsbildung ging es um den digitalen Kompetenzerwerb von der Ausbildung bis in den Berufsalltag. „Junge Menschen müssen praxisnah sehen, welche Herausforderungen die Wirtschaft hat. Das reicht weit über technisches Verständnis hinaus – Methodenkompetenz ist wichtig“, sagte Dr. Sirkka Freigang. Einigkeit herrschte darüber, wie wichtig Kooperationen zwischen allen Akteuren seien. Parallel diskutierte das EU-Panel über "Digital Skills for a Digital Europe: Mind the gap?". Izabela Milewska von Amazon Web Services plädierte dafür, dass digitale Nutzer immer mehr zu digitalen Schöpfern werden sollten. 

 

Nach einem Impulsvortrag von Fujitsu zur Data Driven Transformation ging es auf der virtuellen Hauptbühne direkt in die nächste Diskussionsrunde rund um Weiterbildung 4.0 und wie eine nachhaltige Lernkultur in Unternehmen etabliert werden kann. Mohanna Azarmandi von Microsoft sagte dazu: „Lernzeit wird Arbeitszeit.“ Um Weiterbildung im Unternehmen zu etablieren, müsse das Thema auf die Agenda wandern und für jeden gelten – man müsse Hierarchien und Silostrukturen überwinden und Lernen als das neue Arbeiten begreifen. Stephan Kasulke von der Deutschen Telekom rückte in den Fokus, dass Lernen Spaß machen sollte, selbstgesteuert und ins tägliche „Doing“ eingebettet sein sollte. Beide – sowohl Microsoft als auch die Deutsche Telekom – haben inzwischen einen Tag im Monat, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Lernen nutzen und der auch das gemeinsame Lernen und das Miteinander fördere. Die Bitkom Akademie stellte in diesem Rahmen gemeinsam mit HRpepper die neue Weiterbildungsstudie vor. Auf der Nebenbühne ging es derweil um das Thema „Flexibilität und Agilität: Wie muss sich die akademische Welt an die digitale Transformation anpassen?“. Gerahmt wurde das Bühnenprogramm am zweiten Tag von sieben interaktiven Roundtables. 

 

Das Fazit nach zwei Tagen digitaler Bildungskonferenz: Digitale Endgeräte und Infrastrukturen sind zwar wichtig und notwendig, der Katalysator für eine Transformation im Bildungswesen ist aber auch ein genereller Kulturwandel. Die Kultur der Digitalität muss gelebt und vermittelt werden – von der Schule angefangen, über die Ausbildung bis ins Alter. Auch das Thema Kollaboration zog sich durch alle Panels. Zum einen ist es auf politischer Ebene wichtig, dass alle Kommunen, Länder und der Bund gemeinsam die digitale Bildung treiben und bei Bildungsfragen zusammenarbeiten, zum anderen muss das Know-how aus Wissenschaft und Wirtschaft genutzt werden, um uns schneller ans Ziel zu bringen – damit die Zukunft der Bildung, die wir uns ausmalen, schon bald Realität wird. 

 

Wir möchten uns auch bei unseren Partnern bedanken: Fujitsu, Samsung Neues Lernen, AWS, Cornelsen eCademy, HiSolutions, Lancom Systems, Microsoft und Deutsche Telekom. Mit ihrer tatkräftigen Hilfe und Unterstützung haben sie die erfolgreiche Bildungskonferenz erst möglich gemacht. 

 

Wir freuen uns auf ein virtuelles Wiedersehen bei der nächsten Bildungskonferenz am 28. und 29. April 2021!


 
Die Aufzeichnung des zweitägigen Programms ist auf der Eventplattform abrufbar. Die einzelnen Vorträge und Diskussionen werden in Kürze auf dem Bitkom Events YouTube-Kanal online gestellt. 


 

 

Impressionen